Ausgabe 17 vom Dezember 2014
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Aus der Ausgabe 17: Vom Kinderheim zum Cabrini-Zentrum
von Albert Steber und Bernhard Resch
Es ist im Mai 1945; der Krieg ist vorbei und viele Kinder haben ihre Eltern im Krieg oder auf der Flucht verloren. Langsam wachsen wie-
der neue Strukturen und die Kirche von Regensburg erkennt eine wichtige Aufgabe: die Sorge um heimatlose Kinder. Der Katholischen Jugendfürsorge wird diese Sorge übertragen, doch es ist nicht leicht, ein geeignetes Gebäude zu finden. Glückliche Umstände, jedoch nicht Zufall, führten am Heiligabend 1945 den damaligen Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, Monsignore Michael Thaller, nach Offenstetten zu Frau Daisy Schlitter, der Besitzerin des Offenstettener Schlosses. Bald waren sie sich einig, dass in das Schloss Kinder einziehen sollen. Doch ging das nicht von heute auf morgen, es musste zuerst die fachliche Betreuung sichergestellt werden. Schon bald konnten die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz für den neuen Dienst gewonnen werden. Am Gründonnerstag, im Jahr 1946, kommen die ersten drei heimatvertriebenen Schwestern aus Eger in das Schloss, um es für die Aufnahme von Kindern vorzubereiten.
Am 7. Juli ziehen die ersten Kinder ein; es sind Kleinkinder und später auch viele Säuglinge. Es dauerte nicht lange, bis dieses Kin-
derheim einen richtigen Namen bekommen hatte. Denn am selbigen 7. Juli spricht in Rom Papst Pius XII. die aus Italien stammende Amerikanerin, Ordensschwester Francesca Cabrini, heilig. Mutter Cabrini hatte sich mit ihren Schwestern unglaublich für Kinder und Jugendliche in Nordamerika eingesetzt. Und so waren nicht nur das Datum, sondern auch die Betreuten identisch. Eine gute Wahl, denn Mutter Cabrini hat schon oft ihre schützende Hand über das Haus gehalten.
Der große Bedarf an Heimplätzen für Säuglinge und Kleinkinder hatte sich Mitte der 5oer Jahre erheblich reduziert und so entwickelte sich aus dem Säuglings- und Kleinkinderheim, ein Heim für Kinder mit Behinderungen. 1957 kauft die Katholische Jugendfürsorge das bisher gemietete Schloss und begann am 1. Oktober 1959 mit einer einklassigen „Katholischen Anstaltsvolksschule für schwachbegabte Kinder“.
Das bayerische Sonderschulgesetz von 1965 ermöglichte dann einen Ausbau im Schulbereich, was auch dem Heimbereich zu Gute kam. Die Heimsonderschule, vier Gruppenhäuser und die Heimkirche wurden 1969 eingeweiht.
Allerdings war die Schule bald zu klein und so wurde 1971 mit der Planung einer neuen Schule begonnen, die 1977 bezogen werden konnte. Im gleichen Bauabschnitt wurde das Cabriniheim mit weiteren 4 Gruppenhäusern erweitert.
Der Schulbereich hatte sich in den 70er Jahren sehr entwickelt. Die Betreuung wurde differenzierter, in die pädagogische Frühförderung (1974), Tagesstätte (1975), Sonderschule für Lernbehinderte und Sonderschule für Geistigbehinderte, so die damaligen Begriffe. Als gemeinsamer Name entwickelte sich für diese „schulischen“ Einrichtungen das Sonderpädagogische Zentrum.
1986 entsteht eine Werkstätte für erwachsene Menschen mit Behinderungen (Wäscherei, Montagegruppe). Diese WM ist eine Außenstelle der Werkstätte St. Josef in Straubing, die ebenfalls in der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge ist. Im gleichen Jahr entsteht in Abensberg das integrative Kinderhaus aus einer 10-jährigen Zusammenarbeit der Schulvorbereitenden Einrichtung der Cabrinischule und dem Kindergarten St. Vitus Offenstetten.
Seit dem neuen Jahrtausend, also 2000, benennt sich das Cabriniheim nun Cabrini-Haus. 2007 zieht die Prälat Michael Thaller Schule (ehemals Sonderschule für Lernbehinderte) nach Abensberg in das neue Schulgebäude um, das im Jahr darauf von Bischof Gerhard Ludwig Müller eingeweiht wird.
Das neue Begegnungszentrum „Cabrizio“ wird 2008 seiner Bestimmung übergeben und im Januar 2010 verlassen die letzten „Kinder“ (Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit intensiven Behinderungen) das Schloss. Ihre neue Heimat ist das Haus Sonneneck, das auf dem Gelände der früheren Heimgärtnerei entstanden ist.
2010 werden die in Offenstetten ansässigen Einrichtungen, das Cabrini-Haus, die Cabrinischule mit Tagesstätte und das Cabrizio zum Cabrini-Zentrum zusammengefasst und einer einheitlichen Gesamtleitung unterstellt. Das Cabrini-Zentrum beheimatet heute rund 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus ganz Bayern und beschult und fördert ca. 200 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Kelheim und darüber hinaus. Im Cabrini-Zentrum arbeiten 240 Kolleginnen und Kollegen, vor allem ErzieherInnen, KinderpflegerInnen, LehrerInnen, Pädagogen, Psychologen und Therapeuten. Der Konvent der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz bildet nach wie vor die Glaubensmitte und eine feste Größe in unserem Alltag. Das Cabrini-Zentrum bildet zusammen mit den Abensberger Einrichtungen „Prälat Michael Thaller Schule“ und
„Magdalena“ (mobile Dienste) das Sonderpädagogische Zentrum Offenstetten-Abensberg.